Andacht

Denkt an die Gefangenen, als ob ihr mit ihnen im Gefängnis wärt. Denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt in
einem verletzlichen Körper. “

Hebräer 13,3

Gefangene? Zuerst fallen mir da politisch Verfolgte und Christen ein, die in vielen Ländern aus Glaubensgründen inhaftiert sind. Für diese Menschen zu beten und für Organisationen wie Amnesty International oder Open Doors zu spenden, ist ein Weg, an diese Gefangenen zu denken. Kontakt zu Straffälligen in unseren Gefängnissen hier ist mir dagegen fremd – gut, dass es Menschen gibt, die sich zum Beispiel beim Schwarzen Kreuz dort einsetzen.

Aber wie kann mich dieser Bibelvers aktiv in Bewegung bringen? In einem Atemzug nennt der Schreiber des Hebräerbriefes Gefangene und Misshandelte. Da denke ich an Kinder und Jugendliche, die in zerstörenden Familienverhältnissen gefangen sind, oder Frauen, die in einer schädlichen Paarbeziehung wie in einem Gefängnis leben. Und das ist leider auch bei uns in Deutschland Realität.

Als Christen sind wir aufgerufen, auf Signale zu achten, die in unsrer Umgebung auf Missbrauch hinweisen. Interessant finde ich die Begründung in dem Bibelvers: Auch wir haben einen verletzlichen Körper. Niemand ist vor Misshandlung gefeit und man muss auch darauf achten, dass man seinen eigenen Körper vor selbstverletzendem Verhalten schützt!

Weil auch in Kirchen Missbrauch geschieht, begrüße ich sehr, dass die EmK ihr neu entwickeltes Rahmenschutzkonzept jetzt in allen Gemeinden umsetzen will. Es geht nicht nur um Maßnahmen, wenn Menschen Gewalt erfahren haben, sondern auch darum, der Gewalt vorzubeugen. Es ist zu wünschen, dass viele in unseren Gemeinden aktiv mitmachen, um dieses Konzept auf die spezielle Gemeindesituation anzupassen und umzusetzen.

Mit offenen Augen und mutigem, aber überlegtem Handeln auf Menschen in unserem Umfeld zu achten, dazu befähige uns unser Herr.

Bettina Franz

Vertreterin des Bezirks Bremen